Was gewachsen ist und was wirkt

Manche Projekte brauchen Zeit.
Nicht, weil sie langsam sind. Sondern weil Vertrauen nicht auf Knopfdruck entsteht.

Restart ist genau so ein Projekt.

Nach 14 Monaten können wir sagen: Aus einer Idee ist etwas Tragfähiges geworden. Ein Angebot für Menschen mit Glücksspielsucht, die nach der Haft Unterstützung brauchen. Wir begleiten sie auf ihrem Weg zurück in ein spielfreies Leben – in Vorbereitung und zum Vertrauensaufbau auch bereits während der Haftzeit.

Ein kurzer Blick zurück

In den ersten Monaten von Restart haben wir Grundlagen geschaffen. Wir haben begonnen, ehemals Inhaftierte intensiv zu begleiten. Wir haben Kontakte in Justizvollzugsanstalten aufgebaut. Wir haben Informationsmaterialien und Projektflyer entwickelt, auch in leichter Sprache. Und wir haben ein Netzwerk aufgebaut aus Menschen und Institutionen aus Justiz, Suchthilfe und Beratung.

Restart wurde sichtbar. Ansprechbar. Greifbar.
Darauf konnten wir weiter aufbauen.

Unsere Arbeit in den Justizvollzugsanstalten

In den vergangenen Monaten haben wir unsere Arbeit in den Justizvollzugsanstalten deutlich ausgeweitet.

Aktuell führen wir Gespräche mit Betroffenen in fünf Justizvollzugsanstalten in Rheinland-Pfalz: Wittlich, Koblenz, Rohrbach, Trier und Diez.

Diese Gespräche finden in Gruppen und in Einzelsettings statt. Sie dienen dazu, Vertrauen entstehen zu lassen und Perspektiven für die Zeit nach der Haft zu entwickeln. Genau hier setzt Restart an: Wenn wir in die JVAs gehen, geht es dabei nicht um Angebote „in der Haft“, sondern um einen verlässlichen Übergang für die Zeit danach. In den letzten Monaten sind neue JVAs hinzugekommen und bestehende Kontakte sind gewachsen.

Ein besonders berührendes Zeichen dieses Vertrauens zeigte sich rund um Weihnachten 2025. Nach einem guten Start im Jahr 2024 konnten wir erneut vorweihnachtliche Treffen mit Betroffenen durchführen. Zwei davon fanden in der JVA Wittlich statt, eines erstmals in der JVA Rohrbach. Diese Treffen sind mehr als ein Termin im Kalender. Sie bedeuten Begegnung, Wertschätzung und das Gefühl, als Mensch gesehen zu werden.

Einzelfallbegleitung und ein möglicher Meilenstein

Neben der Gruppenarbeit haben wir auch die individuelle Begleitung weiter vertieft. Mehrere Inhaftierte haben gezielt um Einzelgespräche gebeten, um sich frühzeitig über ihre Möglichkeiten nach der Haft zu informieren.

Einen Fall aus Dezember 2025 und Januar 2026 möchten wir besonders hervorheben. Ein Betroffener, der die Aussicht hatte, in den offenen Vollzug zu wechseln, wandte sich an spielfrei24. Im Rahmen von Restart haben wir ihn dabei unterstützt, eine Therapie zur Bewältigung seiner Glücksspielsucht zu beantragen. Sein Wunsch war es, diese Therapie bereits aus dem offenen Vollzug heraus beginnen zu können.

Der Antrag wurde zunächst abgelehnt. Für uns ist damit aber nicht Schluss. Wir begleiten ihn weiter, haben Widerspruch eingelegt und setzen uns dafür ein, diesen Weg doch noch möglich zu machen. Sobald es neue Entwicklungen gibt, werden wir darüber in einem eigenen Blogbeitrag berichten.

Sollte dieser Schritt gelingen, wäre das ein Novum. Zum ersten (uns bekannten) Mal könnte ein Betroffener bereits vor der endgültigen Haftentlassung eine Therapie wegen Glücksspielsucht beginnen. Das hätte eine große Bedeutung, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Suchthilfe insgesamt.

Unabhängig vom Ausgang ist eines klar: Die Begleitung nach der Haft ist gewünscht und fest eingeplant. Das gilt auch für alle anderen Menschen, die wir im Rahmen von Restart begleiten.

Netzwerke, Kooperationen und neue Wege

Restart wächst weiter. Nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Breite. Wir haben unsere Informationsmaterialien und Flyer weiterhin an Fachkliniken, Suchthilfeeinrichtungen und andere relevante Stellen weitergegeben. Gespräche mit Anwältinnen, Anwälten, Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeitern, Kliniken und Beratungsstellen gehören inzwischen selbstverständlich zu unserer Arbeit.

Neu hinzugekommen ist eine Kooperation mit einer erfahrenen Anwältin, die auch journalistisch und medial arbeitet. Sie bringt viel Erfahrung in der Videoproduktion mit und war bereits an Projekten für öffentlich-rechtliche Sender beteiligt.

Gemeinsam möchten wir künftig Videoformate entwickeln, die über Glücksspielsucht, Restart und angrenzende Themen informieren. Auf YouTube, auf Instagram und darüber hinaus. Unser Ziel ist es, mehr Menschen zu erreichen und neue Zugänge zu schaffen.

Gespräche mit Politik und Justiz

Mit Restart wollen wir nicht nur einzelne Menschen begleiten. Wir möchten auch Strukturen verändern. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten gezielt politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Rheinland-Pfalz angesprochen.

Alle relevanten Parteien wurden kontaktiert. Mit einer Partei konnten wir bereits ein persönliches Gespräch führen. Dabei ging es um Restart und um eine große Lücke im bestehenden System. Bis heute gibt es keine gesetzlich verankerte Möglichkeit von Therapie statt Strafe bei Glücksspielsucht.

Das Interesse in diesem Gespräch war deutlich spürbar. Solche Prozesse brauchen Zeit. Aber sie beginnen genau so. Mit Gesprächen, mit Offenheit und mit dem Mut, Themen anzusprechen, die lange übersehen wurden.

Mehr Sichtbarkeit, mehr Austausch

Der geplante Podcast befindet sich weiterhin in Vorbereitung. Gleichzeitig ist auf Instagram viel entstanden. Dort teilen wir Einblicke in unsere Arbeit, Informationen zu Glücksspielsucht und Aktuelles rund um Restart. Nah an der Lebensrealität der Betroffenen, verständlich und ehrlich.

Was bleibt und was kommt

Nach 14 Monaten zeigt sich deutlich: Restart wirkt.
Es wächst in Rheinland-Pfalz und steht für Verlässlichkeit, Beziehung und echte Begleitung.

Es entstehen Wege, wo vorher Lücken waren.
Es entstehen Gespräche, wo vorher Schweigen war.
Und es entstehen Perspektiven, wo vorher Stillstand war.

Restart wird gefördert von Aktion Mensch und der BARMER.
Danke für diese Unterstützung.